Zwei Dinge vorab: Zum einen ist Octofit kein EMS-Studio. Wir bieten kein EMS Training an und werden dies auch nicht tun. In meinen über 1000 geleiteten Personal Trainings und Kursen seit 2015 habe ich mich bewusst auf klassische Methoden konzentriert, die nachweislich funktionieren und sehr gut erforscht sind. Zum anderen soll dieser Artikel das EMS Training nicht schlecht reden. Jeder Sport ist besser als kein Sport und, obwohl EMS nicht unsere bevorzugt Sportart ist, hat diese Methode eine Daseinsberechtigung. Dieser Artikel soll als allgemeine Information über EMS dienen und einen ersten Überblick verschaffen.
Was ist EMS Training?
EMS ist die Abkürzung für „Elektromyostimulation“, einer Methode bei die Muskel durch Stromimpulse angeregt werden. Bei dem entsprechenden Training zieht der Sportler in der Regel eine Weste an, durch die Impulse zum Körper geleitet werden. EMS Training kann entweder völlig statisch oder in Kombination mit leichteren Bewegung absolviert werden.
Welchen Sinn hat EMS Training?
Ursprünglich kommt das EMS Training aus dem REHA-Sport der Spitzenathleten. Vor allem nach Verletzungen sind Sportler oftmals nicht in der Lage, das eigentlich Training wie gewohnt auszuführen. Das EMS Training bietet hier eine Option, bei der die Muskulatur stimuliert werden kann, ohne dass verletzte Zonen bewegt werden müssen. Leidet ein Sportler beispielsweise an einer Knieverletzung, kann der Oberschenkel dennoch per EMS Training stimuliert werden, ohne dass das Knie sonderbar bewegt werden muss.
Dieses Prinzip hat nun auch Einzug in den allgemeinen Fitness-Sport gehalten. EMS Training soll die Muskeln also auch ohne oder mit wenig Bewegungsaufwand trainieren.
Funktioniert EMS Training?
Betrachtet man die ursprüngliche Zielsetzung von EMS, also das Training infolge von Verletzungen, funktioniert EMS sehr gut und ist absolut bewährt. In der Regel ist es aber so, dass möglichst schnell wieder das eigentliche Training aufgenommen werden soll. EMS Training ist also nur eine Notlösung bis die Verletzung ausreichend kuriert ist.
Die Effekte für gesunde Menschen sind wissenschaftlich umstritten. Während EMS-Anbieter mit enormen Fortschritten werben, ist die Studienlage zur Wirksamkeit uneinheitlich. Viele Studien zeigen zwar kurzfristige Effekte, oft ist aber unklar, welcher Anteil des Erfolgs auf die elektrischen Impulse und welcher auf die begleitenden Übungen zurückzuführen ist.
Risiken von EMS Training
Bezüglich der Risiken ist die wissenschaftliche Datenlage inzwischen klarer als noch vor einigen Jahren. Ein gut dokumentiertes Risiko ist die Gefahr extrem erhöhter Creatin-Kinase-Werte (CK-Werte) bei unsachgemäßer Anwendung, was die Nieren stark belasten und im schlimmsten Fall zu einer Rhabdomyolyse (Muskelzerfall) führen kann. Experten warnen zudem, dass die alleinige Konzentration auf die Muskeln zu Lasten von Bändern, Gelenken und Knochen gehen kann, die für eine ganzheitliche Fitness ebenso trainiert werden müssen. Seien Sie daher bei der Wahl eines Anbieters besonders kritisch und hinterfragen Sie dessen Qualifikationen und Sicherheitsvorkehrungen.
Vorteile von EMS Training
Die beiden entscheidenden Vorteile des EMS Trainings sind Zeit und Aufwand. Diese Trainingsmethode ist – provokant ausgedrückt – für Menschen gedacht, die wenig Zeit und Arbeit in ihren Körper investieren möchten. Das Training dauert in der Regel nur 20 Minuten. Schwere Gewichte oder besonders anstrengende Übungen kommen nicht zum Einsatz. Die Übungsauswahl konzentriert sich auf Grundlagen, die in den meisten gewöhnlichen Fitnessstudios auch angewandt werden: Kniebeugen, Ausfallschritte, Liegestütze oder Sit-ups. Erst durch die Stromimpulse der EMS-Weste werden die Übungen anstrengend, wodurch der Kunde auch ins Schwitzen kommt.
Nachteile von EMS Training: Wirksamkeit
Während die EMS Anbieter versprechen, dass das Training zu enormen Muskelwachstum und rasantem Fettabbau führt, sind Experten hier deutlich zurückhaltender. Auch die wissenschaftlichen Studien zu diesem Thema, sind mehr als durchwachsen. In der Regel ist es so, dass durchaus Erfolge zu verzeichnen sind, wenn das EMS Training auch mit sinnvollen Übungen betrieben wird. Die Erfolge halten sich aber in Grenzen und es kann nicht nach gehalten werden, welche Erfolge auch ohne die EMS Weste möglich gewesen wären. Auch scheinen die Erfolge nach kurzer Zeit stark abzuklingen. Es handelt sich hier wohl um eine Glaubensfrage. Was in diesem Zusammenhang nahezu alle Profisportler, Fitness-Models oder Bodybuilder glauben ist eindeutig: Sie trainieren lieber mit Gewichten und funktionellen Methoden. EMS ist in diesen Kreisen kein Thema.
Nachteile von EMS Training: Koordination und weitere Anpassungseffekte
EMS Training konzentriert sich stark auf die Muskeln und das Körperfett. Während dies natürlich zwei interessante Punkte sind, muss ein umfassendes Training aber noch viel mehr leisten. Genau hier sehe ich die größte Schwäche von EMS. Ein Körper ist mehr als die Summe seiner Muskeln. Um einen Auszug dessen zu bieten, was ein sinnvolles Krafttraining bewirken kann, sollen etwa verbesserte Koordination oder höhere Knochendichte genannt werden. Ich habe meine eigenen, jahrelangen Schulterprobleme, die aus 15 Jahren Ballsport resultierten, durch gezieltes Krafttraining und spezifische Mobilisationsübungen komplett ausgeheilt. Eine solche funktionelle Anpassung, bei der Bänder, Sehnen und Gelenke mitgestärkt werden, lässt sich durch reine Elektrostimulation nicht ersetzen. Experten kritisieren diese Punkte sehr stark und raten daher bestenfalls zu einem EMS Training als Ergänzung.
Nachteile von EMS Training: Fachwissen
Dieser Punkt ist aus meiner Sicht entscheidend. In der gesamten Fitnessbranche gibt es zu viele Trainer mit mangelhaftem Fachwissen, was daran liegt, dass viele Qualifikationen nicht geschützt sind. Ein Wochenendkurs macht noch keinen Experten. Achten Sie daher unbedingt darauf, dass der Trainer sein Handwerk wirklich versteht und mehr als nur eine Einweisung in das EMS-Gerät erhalten hat. Ein tiefes Verständnis für Anatomie und Trainingslehre ist unerlässlich.
Nachteile von EMS Training: Ernährung
Nur selten wird im Zusammenhang von EMS Training auch von einer gesunden Ernährung gesprochen. Fakt ist jedoch, dass die Ernährung für nahezu alle Ziele, ob Muskelaufbau, Fettabbau oder dauerhafte Gesundheit, ein entscheidender Baustein ist. Kein Training der Welt kann die gewünschten Erfolge bieten, wenn die Ernährung nicht stimmt. Dies wird beim EMS Training scheinbar oftmals vergessen.
Recherchieren Sie ruhig selbst und informieren Sie sich ausgiebig auf seriösen Webseiten zum Thema EMS Training. Achten Sie dabei stets auf das Veröffentlichungsdatum von Quellen und Studien, da ältere Informationen möglicherweise nicht mehr den aktuellen Forschungsstand widerspiegeln. Sie werden noch weitere kritisch diskutierte Themen finden.
Ist der Trend EMS schon vorbei?
Es handelt sich um eine sehr positive Entwicklung, dass hochwertiges Fitness-Training wieder mehr an Bedeutung gewinnt. Während viele Jahre lang die billigen Fitnessstudios einen enormen Zuwachs verzeichnen konnten, nimmt nun wieder die Zahl der Menschen zu, die Qualität und Betreuung in den Fokus stellen. Natürlich kommt diese Entwicklung auch uns von Octofit zu Gute. Unsere Dienstleistungen – Personal Training, Ernungsberatung und Kleingruppenkurse – basieren auf persönlicher Betreuung und bieten jedem Kunden ein individuelles Angebot.
Auf diesen Zug springen auch die vielen EMS Studios auf. So kommt es, dass fast alle Studios das Training als Personal Training bezeichnen. Manche Studios gehen in ihrer Werbung sogar gar nicht auf das Thema EMS ein und sprechen ausschließlich von Personal Training. Sie nutzen den Begriff „Personal Training“, der für Qualität und effektives Training steht. Erst im Nachhinein stellt sich heraus, dass es tatsächlich EMS Training ist.
Hier handelt es sich um eine Grauzone. Personal Training ist kein geschützter Begriff und bezeichnet lediglich ein Training, bei dem der Trainer die ganze Zeit über zur Seite steht. Wie das Training erfolgt und wie geeignet der Trainer tatsächlich ist, sind erst einmal unerheblich. Insofern ist es auch völlig legal und in Ordnung, wenn EMS Studios den aktuellen Trend aufgreifen und von Personal Training sprechen. Dennoch sehen wir es als zweifelhaft, wenn der Personal Trainer vielleicht nur eine Einweisung in die EMS-Technik erhalten hat. Auch verstehen wir unter Personal Training mehr als das Ansagen der nächsten Übung. Erst Recht verurteilen wir, wenn die Betreuung von sechs Kunden gleichzeitig als Personal Training bezeichnet wird. Bestenfalls kann ein Training mit zwei oder drei Kunden, die dennoch individuell trainieren, als Personal Training bezeichnet werden. Bei mehr Teilnehmern, die alle das gleiche Training absolvieren, ist die Bezeichnung „Kurs“ angebrachter. Alle diese Punkte sind leider viel zu oft der Fall, wenn EMS Studios mit Personal Training werben.
Fazit
EMS Training erscheint in vielen Fällen als Trend, der die unklare Faktenlage ausnutzt und vor allem durch geschickte Werbung zu blenden weiß. Selbstverständlich gibt es auch seriöse Anbieter, die gute Trainer beschäftigen, keine falschen Versprechen machen und die EMS-Technik sinnvoll einsetzen. Allerdings trifft dies nicht auf die Mehrheit zu. Daher raten wir unbedingt dazu, EMS Anbieter gründlich zu prüfen.
Quellen:
http://www.spiegel.de/gesundheit/ernaehrung/elektrostimulationstraining-wie-man-mit-ems-die-muskeln-staehlt-a-858175.html
http://www.welt.de/gesundheit/article106224772/Wahre-Muskel-Wunder-ohne-viel-Bewegung.html
http://www.spiegel.de/gesundheit/ernaehrung/ems-risiken-des-elektrostimulationstraining-a-1024064.html
Häufig gestellte Fragen
Ist EMS-Training für Anfänger geeignet?
EMS-Training kann für Anfänger geeignet sein, aber nur unter professioneller Anleitung. Wegen der Risiken wie extrem erhöhten CK-Werten ist die Wahl eines qualifizierten Trainers, der die Intensität korrekt steuert und auf Sicherheitsvorkehrungen achtet, unerlässlich.
Kann ich allein mit EMS-Training abnehmen?
Nein, EMS-Training allein reicht für einen signifikanten Fettabbau nicht aus. Wie bei jeder Trainingsform ist eine angepasste, gesunde Ernährung der entscheidende Faktor für den Erfolg. Ohne eine Kaloriendefizit wird kein Training der Welt zu nachhaltigem Gewichtsverlust führen.
Wie oft sollte ich EMS-Training machen?
Anbieter empfehlen meist eine 20-minütige Einheit pro Woche. Aufgrund der hohen Intensität und der starken Belastung für den Körper sind längere Regenerationszeiten notwendig. Häufigeres Training ohne ausreichende Pause kann das Risiko von Überlastung und Nierenschäden erhöhen.
Was ist der Hauptunterschied zwischen EMS und normalem Krafttraining?
Der Hauptunterschied liegt in der Art der Muskelaktivierung. Konventionelles Krafttraining stimuliert Muskeln durch die Überwindung von Widerstand (z.B. Gewichte), was auch Koordination, Bänder und Gelenke stärkt. EMS aktiviert die Muskeln extern durch elektrische Impulse, oft mit weniger Bewegung und geringerer Belastung für den passiven Bewegungsapparat.

