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Fartlek Training: Vergiss starre Pläne – so wirst du mit spielerischem Laufen wirklich schneller

Octofit - Autor Profilbild B.Sc. Peter Schäfer

Peter Schäfer

Bachelor of Science

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Eine Läuferin hat sichtlich Spaß bei ihrem Fartlek Training auf einem Waldweg.

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Inhaltsverzeichnis

Fühlt sich jeder Lauf gleich an, während der echte Fortschritt ausbleibt? Diese Stagnation ist ein häufiger Motivationskiller, der die Freude an der eigenen Leidenschaft mindert.

Die Lösung ist oft spielerischer als gedacht: das Fartlek Training. Bei diesem „Fahrtspiel“ aus Schweden geht es darum, mit dem Tempo zu experimentieren und sich von der Umgebung inspirieren zu lassen. Anstatt starren Intervallvorgaben zu folgen, durchbrechen Sie so Leistungsplateaus und werden zu einem mental stärkeren sowie intuitiveren Läufer.

Auf einen Blick
Was ist Fartlek? Eine unstrukturierte Trainingsmethode, bei der du spielerisch zwischen schnellen und langsamen Laufabschnitten wechselst.
Für wen ist es geeignet? Für alle Läuferlevel vom Anfänger bis zum Profi, die Abwechslung suchen und ihre Leistung steigern wollen.
Größter Vorteil: Verbessert Ausdauer und Schnelligkeit ohne den mentalen Druck eines starren Intervalltrainings.
Der Kernunterschied: Im Gegensatz zum Intervalltraining bestimmst du selbst die Regeln für Intensität und Dauer der Tempowechsel.

 

Was ist Fartlek Training (oder Fahrtspiel) genau?

Fartlek wurde in den 1930er-Jahren vom schwedischen Trainer Gösta Holmér als motivierende Alternative zum starren Intervalltraining entwickelt. Der schwedische Name bedeutet wörtlich „Spiel mit der Geschwindigkeit“ (fart = Geschwindigkeit, lek = Spiel) und beschreibt den Kern der Methode perfekt.

Ein Fartlek ist im Kern ein Dauerlauf, bei dem du das Tempo intuitiv variierst. Statt dich an exakte Zeit- oder Distanzvorgaben zu halten, nutzt du die Umgebung als Taktgeber: ein Sprint bis zur nächsten Parkbank, ein schnellerer Lauf den Hügel hinauf oder ein erhöhtes Tempo während deines Lieblingsliedes. Die Erholungsphasen bestehen nicht aus Pausen, sondern aus lockerem Traben bis zum nächsten Temporeiz.

Ein Läufer erlebt Freude beim Fartlek Training im Freien bei Sonnenaufgang.

Genau diese Freiheit und der spielerische Ansatz machen Fartlek so wirksam. Die Methode schult nicht nur deinen Körper, sondern auch dein Tempogefühl und die Fähigkeit, auf Körpersignale zu achten. Dies ist eine entscheidende Fähigkeit im Wettkampf, die sich nicht allein von einer Uhr ablesen lässt.

 

Der entscheidende Unterschied: Fartlek vs. klassisches Intervalltraining

Obwohl beide Methoden auf dem Wechsel von Belastung und Erholung basieren, verfolgen Fartlek und das klassische Intervalltraining grundlegend unterschiedliche Ansätze. Der entscheidende Unterschied liegt in der Struktur.

Das klassische Intervalltraining ist hochstrukturiert und analytisch. Du folgst einem strikten Plan mit vordefinierten Distanzen (z. B. 6 × 400 Meter), exakten Pace-Vorgaben und festgelegten Pausen. Es findet meist auf der Tartanbahn statt und ist auf Messbarkeit ausgelegt.

Das Hauptziel ist die gezielte Verbesserung physiologischer Werte wie der maximalen Sauerstoffaufnahme (VO2max). Dieser präzise, datengetriebene Ansatz, der auch in Methoden wie dem Gibala-Training zu finden ist, ist sehr effektiv, kann aber mental fordernd sein.

Das Fartlek-Training ist hingegen unstrukturiert und intuitiv. Es gibt keine festen Regeln für die Länge und Intensität der schnellen Abschnitte oder die Dauer der Erholungsphasen. Alles wird spontan gewählt, idealerweise in abwechslungsreichem Gelände, um die Anpassungsfähigkeit an wechselnde Belastungen spielerisch zu trainieren.

 

Die besten Ergebnisse erzielen Athleten oft durch eine Kombination beider Methoden. Während das Intervalltraining die reine „Motorleistung“ schult, verbessert das Fartlek die sogenannte „Fahrpraxis“: die Fähigkeit, diese Leistung im Wettkampf abzurufen und flexibel auf Tempowechsel zu reagieren.

 

Die Vorteile von Fartlek-Training: Mehr als nur Geschwindigkeit

Diese spielerische Trainingsmethode bietet zahlreiche physiologische und psychologische Vorteile. Sie ist ein intelligenter Weg, um Leistungsplateaus zu durchbrechen und neue Reize zu setzen, ohne den mentalen Druck strenger Vorgaben.

 

1. Verbesserung von Ausdauer, Schnelligkeit und Tempohärte

Der ständige Wechsel zwischen hohen und moderaten Intensitäten fordert dein Herz-Kreislauf-System gezielt. Schnelle Abschnitte verbessern deine anaerobe Schwelle (den Punkt höchster Belastung, bevor die Muskeln „übersäuern“) sowie die maximale Sauerstoffaufnahme (VO2max). Die aktiven Erholungsphasen stärken wiederum deine aerobe Grundlagenausdauer. Diese Kombination macht dich widerstandsfähiger gegen Ermüdung bei hohem Tempo – die sogenannte Tempohärte, die in Wettkämpfen entscheidend ist.

 

2. Schulung des Körper- und Tempogefühls

Statt blind auf eine GPS-Uhr zu starren, lernst du beim Fartlek, auf die Signale deines Körpers zu hören. Du entwickelst ein Gefühl dafür, wie sich ein schnelles, aber kontrolliertes Tempo anfühlt und wann du in die Erholungsphase wechseln solltest. Dieses entwickelte Tempogefühl ist im Wettkampf entscheidend, wenn die Tagesform mehr zählt als der Trainingsplan.

 

3. Mentale Stärke und mehr Motivation

Fartlek durchbricht die Monotonie des Trainings und bringt den Spaß zurück ins Laufen. Die Freiheit, die Einheit selbst zu gestalten, wirkt extrem motivierend, da du der Regisseur deines Trainings bist, nicht der Sklave eines Plans. Wie auch Studien der Deutschen Sporthochschule Köln belegen, ist die Variation von Trainingsreizen ein Schlüsselprinzip für langfristige Motivation und Leistungssteigerung.

 

4. Flexibilität für jedes Gelände und jedes Niveau

Ob im Park, im Wald, auf der Straße oder auf dem Laufband – ein Fahrtspiel kannst du überall durchführen. Diese Anpassungsfähigkeit macht es zur perfekten Trainingsform für jedes Niveau. Anfänger sammeln spielerisch Tempoerfahrungen, während Profis es zur Vorbereitung auf unvorhersehbare Rennverläufe nutzen. Es stärkt die allgemeine Fitness, ein wichtiger Aspekt umfassender Trainingsansätze wie dem Crosstraining.

Läuferin beim spielerischen Fartlek Training auf einem sonnigen Waldweg.

 

Fartlek in der Praxis: So gestaltest du dein Fahrtspiel

Der Aufbau eines Fartlek-Workouts ist einfach: Es beginnt mit 10 bis 15 Minuten lockerem Einlaufen, um die Muskulatur aufzuwärmen. Darauf folgt der Hauptteil, das eigentliche Spiel mit der Geschwindigkeit. Abgeschlossen wird die Einheit mit 10 bis 15 Minuten Auslaufen.

 

Fartlek Beispiele für dein Lauftraining

  • Der „Umgebungs-Fartlek“ (für Einsteiger): Nutze Orientierungspunkte: Sprinte zur nächsten Ampel, erhöhe das Tempo bis zum nächsten Baum oder laufe einen Hügel schnell hinauf. Die Erholung ist das lockere Traben bis zum nächsten markanten Punkt.
  • Der „Musik-Fartlek“: Erstelle eine Playlist mit schnellen und langsamen Liedern. Dein Auftrag: Im Refrain das Tempo anziehen, in der Strophe wieder lockerer traben. Ein ruhiger Song dient der aktiven Erholung.
  • Der „Pyramiden-Fartlek“ (für Fortgeschrittene): Diese strukturiertere Variante folgt einem Schema wie: 1 Min. schnell, 2 Min. schnell, 3 Min. schnell, 2 Min. schnell, 1 Min. schnell. Die Pausen dazwischen bestehen aus gleich langen, leichten Trabphasen. Es ist eine gute Brücke zu Protokollen wie einem Tabata oder EMOM-Workout.
  • Der „Partner-Fartlek“: Laufe mit einem Partner. Ihr wechselt euch ab, die Führung zu übernehmen und das Tempo vorzugeben. Das sorgt für Überraschungsmomente und einen extra Motivationskick.

Mann beim Fartlek Training auf dem Laufband, der die Geschwindigkeit manuell anpasst.

Die Kombination dieser verschiedenen Fartlek-Arten hält das Training langfristig spannend und effektiv. Probiere aus, welche Variante dir am meisten Spaß macht. Der wichtigste Grundsatz bleibt: Du bestimmst die Regeln.

Häufig gestellte Fragen

Wie lange sollte ein Fartlek-Lauf dauern?

Ein Fartlek-Lauf dauert inklusive Auf- und Abwärmen meist zwischen 30 und 60 Minuten. Anfänger sollten mit einem 15- bis 20-minütigen Hauptteil beginnen, Fortgeschrittene können diesen ausdehnen.

Kann man Fartlek auch auf dem Laufband machen?

Ja, Fartlek auf dem Laufband ist eine sehr effektive Alternative bei schlechtem Wetter. Du kannst Geschwindigkeit und Steigung manuell variieren, um die Belastung zu steuern.

Was ist der wichtigste Unterschied zum klassischen Intervalltraining?

Der Kernunterschied ist die fehlende Struktur. Beim Fartlek bestimmst du die Intensität spontan nach Gefühl, während das Intervalltraining festen Vorgaben folgt.

Wie oft pro Woche sollte ich Fartlek trainieren?

Eine Fartlek-Einheit pro Woche ist ein guter Richtwert. Sie kann eine andere intensive Einheit in deinem Trainingsplan ersetzen, um neue Reize zu setzen und Monotonie zu vermeiden.

Octofit - Autor Profilbild B.Sc. Peter Schäfer

Über den Autor

Peter studierte an der TU Dortmund und eröffnete 2015 sein erstes Studio für Personal Training und funktionale Kurse. Er ist Autor mehrerer Bücher und wurde in internationalen Zeitungen und Magazinen zitiert. Seine Fachgebiete sind Crosstraining und gesundheitsorientiertes Krafttraining.