Du gibst im Training alles, doch deine Leistung stagniert? Deine Rundenzeiten werden nicht schneller und das Gefühl, an einem Plateau angekommen zu sein, wird immer frustrierender. Du fragst dich, was das Geheimnis der Athleten ist, die scheinbar mühelos immer neue Bestzeiten aufstellen.
Die Antwort liegt oft nicht darin, mehr zu trainieren, sondern intelligenter. Der Schlüssel zu einem neuen Leistungslevel ist ein Wert, den deine Sportuhr vielleicht schon anzeigt, dessen wahre Bedeutung du aber noch nicht nutzt: deine VO2max. Und die effektivste Methode, diesen Wert gezielt zu verbessern, ist das hochintensive Intervalltraining, kurz HIIT.
- Die VO2max ist der Goldstandard zur Messung deiner aeroben Ausdauerleistungsfähigkeit.
- High-Intensity Interval Training (HIIT) ist eine wissenschaftlich belegte, extrem zeiteffiziente Methode, um die VO2max zu steigern.
- Kurze, maximale Belastungsphasen im Wechsel mit aktiven Pausen zwingen dein Herz-Kreislauf-System zu entscheidenden Anpassungen.
- Schon zwei bis drei HIIT-Einheiten pro Woche können deine Fitness und maximale Leistungsfähigkeit signifikant verbessern.
Was genau ist die VO2max? Der Motor deiner Ausdauer
Stell dir deinen Körper wie einen Hochleistungsmotor vor. Die VO2max ist der entscheidende Kennwert für dessen Leistungsfähigkeit. Technisch ausgedrückt ist die maximale Sauerstoffaufnahme (VO2max) die Menge an Sauerstoff, die dein Körper unter maximaler Belastung pro Minute und pro Kilogramm Körpergewicht aufnehmen, transportieren und in den Muskelzellen verwerten kann.
Ein hoher VO2max-Wert bedeutet, dass dein Herz-Kreislauf-System extrem effizient arbeitet. Dein Herz pumpt mit jedem Schlag mehr sauerstoffreiches Blut, deine Lunge nimmt mehr Sauerstoff auf und deine Muskulatur kann diesen Sauerstoff besser nutzen, um Energie zu erzeugen. Das Resultat: Du kannst eine höhere Intensität länger durchhalten und dich schneller von Anstrengungen erholen.
Der HIIT-Vorteil: Warum hochintensives Training deinen Sauerstoffmotor zündet
High-Intensity Interval Training (HIIT) ist keine neue Erfindung, aber seine Wirkung auf die VO2max ist beeindruckend und durch zahlreiche Studien belegt. Das Prinzip ist einfach: Statt stundenlang in moderatem Tempo zu trainieren, wechselst du zwischen sehr kurzen, extrem intensiven Belastungsphasen (nahe deiner maximalen Herzfrequenz) und kurzen Erholungsphasen.
Aus meiner Sicht ist der entscheidende Hebel von HIIT, dass es das System an seine absolute Grenze bringt und einen massiven Anpassungsreiz setzt. In der Praxis hat sich immer wieder gezeigt, dass genau diese kurzen, brutalen Spitzen die stärksten Verbesserungen im Sauerstofftransport und in der Verwertung auslösen – oft effektiver als doppelt so lange Einheiten im Grundlagenausdauerbereich.
Durch diesen Schockzustand wird dein Körper gezwungen, sich zu optimieren. Das Herz wird trainiert, mehr Blut pro Schlag zu pumpen, die Anzahl der Mitochondrien (die Kraftwerke deiner Zellen) in der Muskulatur steigt und die Fähigkeit der Muskeln, Sauerstoff aus dem Blut zu ziehen, verbessert sich. Du baust dir sozusagen einen größeren und effizienteren Motor, ohne unzählige Stunden auf der Strecke zu verbringen.
Praktische Anleitung: HIIT gezielt zur VO2max-Steigerung einsetzen
Theorie ist gut, aber der wahre Fortschritt findet in der Praxis statt. Um deine VO2max mit HIIT effektiv zu steigern, reicht es nicht, dich einfach nur auszupowern. Es braucht eine strukturierte Herangehensweise, die das richtige Verhältnis von Belastung, Pause und Intensität berücksichtigt. Wir zeigen dir, wie du dein Training auf das nächste Level hebst.
Die richtigen HIIT-Protokolle für maximale Wirkung
Nicht jedes Intervalltraining ist gleich. Während kurze Sprints wie beim Tabata-Protokoll (20 Sekunden Belastung, 10 Sekunden Pause) hervorragend für die anaerobe Kapazität sind, benötigen wir zur gezielten VO2max-Verbesserung etwas längere Belastungsphasen. Das Ziel ist es, dein Herz-Kreislauf-System für eine längere Zeit nahe seiner maximalen Sauerstoffaufnahmekapazität zu halten.
Meiner Erfahrung nach sind Intervalle von 3 bis 5 Minuten Länge, ausgeführt bei 90-95 % deiner maximalen Herzfrequenz, der absolute Sweetspot. Wie eine Meta-Analyse in der Deutschen Zeitschrift für Sportmedizin bestätigt, ist diese Art des Trainings extrem wirksam. Die anschließende aktive Erholungsphase (lockeres Gehen oder Traben) sollte lang genug sein, damit du das nächste Intervall wieder mit voller Intensität starten kannst.
- 4×4-Minuten-Protokoll: Das ist der Klassiker aus Norwegen. Du absolvierst vier Intervalle von je 4 Minuten bei sehr hoher Intensität, unterbrochen von 3 Minuten aktiver Pause.
- 5×3-Minuten-Protokoll: Fünf Wiederholungen von 3-minütigen, harten Belastungen, gefolgt von jeweils 2-3 Minuten lockerer Regeneration.
- Pyramiden-Intervalle: Steigere die Dauer der Intervalle (z.B. 1-2-3-2-1 Minuten) mit entsprechenden Pausen, um neue Reize zu setzen.

Die richtige Intensität finden: Arbeite an deiner Grenze
Der Begriff „hochintensiv“ ist der Schlüssel. In den Belastungsphasen solltest du eine Intensität erreichen, bei der eine normale Unterhaltung absolut unmöglich ist. Auf einer Skala von 1 bis 10, wobei 10 eine absolute All-Out-Anstrengung ist, zielst du auf eine subjektiv empfundene Anstrengung (RPE) von 9 ab. Du solltest das Gefühl haben, das Tempo nur noch für wenige Sekunden halten zu können.
Ein Detail, das Anfänger oft übersehen, ist, dass die volle Intensität und damit der größte Reiz für die VO2max erst gegen Ende eines längeren Intervalls erreicht wird. Die erste Minute dient oft nur dazu, die Herzfrequenz in die Zielzone von über 90 % der maximalen Herzfrequenz zu bringen. Erst die Minuten danach sind die wirklich produktive Zeit für deinen Sauerstoffmotor.
Die Wahl der Übungen: Was funktioniert am besten?
Um deinen Sauerstoffverbrauch in die Höhe zu treiben, musst du möglichst große Muskelgruppen einsetzen. Die besten Übungen sind zyklische Bewegungen, die du über mehrere Minuten mit hoher Intensität aufrechterhalten kannst. Dazu gehören klassischerweise Laufen, Radfahren, Rudern oder der Crosstrainer. Diese Übungen sind auch ein Kernbestandteil vieler Workouts im Crosstraining, das auf funktionale Fitness bei hoher Intensität abzielt.
Die Entscheidung für eine Übung hängt von deinen Vorlieben und Möglichkeiten ab. Wichtig ist, dass du eine Bewegung wählst, bei der du technisch sauber bleibst und die limitierende Komponente dein Herz-Kreislauf-System ist, nicht die lokale Muskelermüdung. Ein Sprint auf dem Assault Bike oder SkiErg ist beispielsweise extrem effektiv, da er den gesamten Körper fordert.

